Der Polizeibeamte
1960 kam ich in Passau auf die Welt und damit war eigentlich schon zu befürchten, dass ich später Uniform tragen sollte. Meine Vorfahren waren Soldaten und Polizisten. Ich wuchs in Neuburg/Donau, in der Bundeswehr-Siedlung „Ostend“, mitten unter Militaristen auf.
Als Kinder spielten wir im Wald mit Holzgewehren „Räuber und Gendarm“. Wir lernten Dinge kennen, die der Gameboy-Generation fremd bleiben dürften: Hunger, Durst, Kälte, Mut und Angst. Wenn wir angriffen, rauften, flohen, dann war das zwar nicht „echt“, aber doch realer als beim „Ego-Shooter“. Kratzer und Beulen waren echt und nicht immer ungefährlich. Unsere Abenteuer lehrten uns eine Lebenseinstellung: „Es geht schon!"
Mit zunehmendem Alter erkannten wir auch die dunklen Seiten bunter Uniformen. In der Schule hörten wird von den Nazi-Gräueln. Abends sahen wir in den Nachrichten schlimme Bilder aus Vietnam. (Gerade als Bürger in Uniform spürt man, wie klein der Schritt doch zum Missbrauch von Militär und Polizei ist und wie schnell Soldaten und Polizisten sich in einen Strudel ziehen lassen. Ich empfehle hier beispielhaft die Bücher "Ganz normale Männer" von Browninig und Krause und auch "Täter" von Harald Welzer. Letzteres kostet Zeit, da man jeden Satz mehr als ein Mal lesen muss, aber danach ist einem manches klar.)
Wir nahmen uns vor, anständige Soldaten oder Polizisten werden zu wollen.

1978 endete mein Schulbesuch vorzeitig wegen Faulheit. Ich sah die Zeit gekommen, mich bei der Fremdenlegion zu melden. Französisch war lange genug Schulfach. Etwas Bammel vor diesem Schritt und ein von meinem Vater zugetragener Zeitungsausschnitt „Polizei sucht junge Männer“ ließen mich anders entscheiden.


1980 rückte ich bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn ein. 1983 bis 1985 gehörte ich zu einer Einsatzhundertschaft in Dachau. Es machte uns gruseln ud grübeln, nachts im Stockdunklen, in beklemmernder Stille, im hintersten Winkel der Kaserne entlang der KZ-Mauer und dem Krematorium Wache zu schieben. War es mal nicht die KZ-Mauer dann eben der Bauzaun in Wackersdorf. Bis 1992 verrichtete ich uniformierten Dienst in Ingolstadt, Schrobenhausen und Pfaffenhofen. 1994 schloss ich das Studium an der Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck ab. Bis 1997 war ich Dienstgruppenleiter in Pfaffenhofen. Seitdem bin ich Sachbearbeiter für „Betrugs-, Wirtschafts- und IuK-Delikte“ bei der Kriminalpolizei Ingolstadt.

Selbst heute noch, nach all den Jahren, macht es mir Spaß in den Dienst zu gehen, nach Hause natürlich auch. Ich bin stolz auf meinen Beruf, der mir das Gefühl gibt, der Gesellschaft und manchmal ganz konkret einzelnen hilfesuchenden Menschen dienlich sein zu können. Das Grundgesetz wurde mir mehr als eine trockene Vorschrift. Ich schätze es als Regelwerk der Vernunft, gegenseitigen Achtung und christlicher Nächstenliebe. Das höchste Gut ist die Freiheit. Seine Freiheit leben kann der Bürger nur, wenn ihn Sicherheit und Schutz umfängt. Darum sorgen sich auch wir Polizisten und Polizistinnen. Gangster der Organisierten Kriminalität, hemmungslose „Selbstbediener“, grölende Neo-Nazis und bombenbastelnde Islamisten liegen neben den „normalen“ Kriminellen auf der Lauer. Ich glaube, selbst als "kleiner" Polizist etwas zum Schutz unserer Freiheit beitragen zu können.

Auch wenn ich nicht all die tollen Jobs machen durfte, die mir der Einstellungsberater mit seinem Hochglanz-Prospekt gepriesen hatte - Hubschrauberfliegen, Tauchen, Dienst-Hunde rumschnüffeln lassen, mit Dienst-Pferden im englischen Garten spazieren reiten - so erfüllt mich das Wissen, anderen Menschen, vielleicht nicht unbedingt auf den ersten Blick, behilflich sein zu können, mit Stolz, Freude und Genugtuung. Beruf, aber auch Familie und ein klein wenig mein Hobby geben meinem Leben einen Sinn.
Aber ich weiß nicht, ob ich darüber glücklich wäre, wenn eines meiner Kinder auf die Idee käme, auch Polizist oder Soldat werden zu wollen. Bei allem Respekt vor dem Wunsch, der Gesellschaft dienen zu wollen, als Vater denkt man auch daran, dass Polizisten und Soldaten totgeschossen werden. Das hätte mir auch passieren können und könnte noch. Aber das eigene Leben zu verlieren schreckt mich weit weniger, als ein Kind zu verlieren. All die Liebe, die investierte Mühe und das vermittelte Wissen wäre vergebens gewesen. Wofür? Geldverdienen kann man ungefährlicher. Bei diesen Gedanken muss ich stets an den Klassiker von Fred Zinnemann, "High Noon" denken.
Der Künstler
Es fing mit dem Abpausen von Asterix und Obelix an. Dann hatte ich das Glück in einer Schulgruppe Malen und Zeichnen zu lernen, Komposition, Bildaufbau, Rythmus und Farbenlehre. Aber "normale" Aquarelle malten eben alle. Mir wurde bald klar, dass Cartoon-Malen noch einen Hauch von Exotik hatte. Die ersten Modelle waren Lehrer. Je mehr ich mich im Unterricht auf deren Physiognomie konzentrierte, umso schlechter wurden meine schulischen Leistungen. Das Ende kam nach der 10. Klasse Gymnasium. Na ja, jedenfalls schiebe ich es gern auf meine Malerei, hat auch was exotisches.
Bei
der Bereitschaftspolizei standen dann auch wieder Lehrer und Ausbilder
unfreiwillig Modell. Die Nasen wurden länger, die Figuren betonter, die
Farben kräftiger. Ich feilte an den Bildchen und verlangte, sie
Cartoons zu nennen. Schon stieg der Preis, dann die Nachfrage. Ja, ich
weiß, in Wirtschaftskunde hat man es anders gelernt.
In
den 80-ern sah man meine Cartoons auf Kunstausstellungen der Polizei.
In den 90-ern erschienen sie zunehmend auch in polizeibezogenen
Druckwerken. Mitte der 90-er hatte ich eine Schaffensphase, die 2000 in
der Veröffentlichung meines Buches "Hände hoch - Verkehrskontrolle"
gipfelte.
Zur Jahrtausendwende blickte ich auf mein Jahrhundertwerk und begann mich auf den Lorbeeren und den üppigen Honorarzahlungen auszuruhen ... Das schreib` ich doch nur, um Neider auf die Palme zu bringen ... !
Inzwischen füllen Cartoon-Skizzen 2 Leitz-Ordner, um auf die Umstellung hin zur dunkelblauen Uniform zu warten. Bislang musste ich spinat-grüne "Röcke" (Kleiderstücke bei Männern oben und bei Frauen unten), kack-braune Hosen und kotz-gelbe Hemden malen. Andere Farbbezeichnungen möchten mir bei den von Mode-Designer Oestergaard entworfenen 68er-Uniformen nicht einfallen.

Jedenfalls möchte ich heute, wir schreiben Ende 2006, eindringlich den bayerischen Innenminister, Herrn Günther Beckstein - toller Kerl, immer g`rad raus, engagiert - bitten, endlich eine EU-Richtlinie auch in Bayern umzusetzen und alle Polizisten dunkelblau zu kleiden. Die bisherigen Farben tun mir als Künstler geradezu weh.
Ergänzung v. 10/2007:
Jetzt ist Herr Beckstein Ministerpräsident. Vielleicht liest der neue Innenminister, Herr Joachim Herrmann meine Zeilen und kümmert sich um mein Ansinnen.
Der Papa
Es
musste 1985 schon eine Erzieherin sein, die mich heiraten und
disziplinieren konnte. Inzwischen hat sie mich so weit unter Kontrolle,
dass ich mich frage, wie ich früher ohne sie überleben konnte. Und ich
liebe sie.
1988 kam Daniel, 1990 Tobias und 1995 Sarah auf die Welt. Mir ist es rätselhaft, wie Kinder so brav sein können. Ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass sie von mir stammen. Sie sind gute Schüler, Feuerwehrleute und Ministranten. Und ich liebe sie.
Am
liebsten ziehe ich mit meinen Kids durch die Wildnis. Dazu Kanufahren,
Lagerfeuer, Zelten (weitere Fotos bei panoramio). Abends dann ein spassiger Film, mehr brauchen wir
nicht, um glücklich zu sein.