Nachdem ich einer Polizisten- und Soldaten-Familie mit langer Tradition entstamme und jeder männliche Verwandte dient oder gedient hat, musste ich mich in der Motivsuche auch den Staatsdienern im Flecktarn, den Soldaten der Bundeswehr zuwenden.
Äussere und Innere Sicherheit ähneln und überschneiden sich zunehmend. Und deshalb kämpfen die Jungs und Mädels von der Bundeswehr nicht nur gegen ähnliche Widrigkeiten wie schlechtes Wetter, ungenießbares Essen, noch weniger genießbare Vorgesetzte, unwillige Untergebene, unverständliche Vorschriften und gelegentlich richtig echte und leider teuflisch geschickte Feinde an sondern weisen auch den gleichen schrägen Humor auf wie wir von der Polizei.

02/2010 Wieder Bundeswehr-Skandal
Im Februar 2010 machte ein neuer „Bundeswehr-Skandal“ seine Runde in der Medienlandschaft. Bei Initiationsveranstaltungen sollen nach Mitteilung des Wehrbeauftragten der Bundeswehr Reinhold Robbe Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 233 in der "Edelweiß-Kaserne" Mittenwald zum Nacktklettern und zum Essen roher Schweineleber „gezwungen“ worden sein. Glaubhafter scheint die später abgeflachte Version, sie müssten Alkohol bis zum Erbrechen konsumieren und Hering mit Hefe verspeisen.
Aufnahme-Rituale sind ein Spezifikum elitärer Gruppen und dazu darf man Bundeswehr-Einheiten zählen, insbesondere Kampftruppen wie die Gebirgsjäger. Die Rituale setzen nicht ernstzunehmende Hürden, die nach ausreichendem Alkoholkonsum problemlos überwunden werden können. Am nächsten Morgen wird gekotzt und man kann seinen Enkeln erzählen, „was für ein Hund“ man gewesen sei.
Ich hoffe, dass es nicht zur Mode wird, sämtliche unkommoden Rituale durch die Staatsanwaltschaft überprüfen zu lassen. Da käme nämlich einiges an Arbeit auf mich als Ermittlungsbeamten zu.
Erinnert sei an das sogenannte „Mensur-Urteil“ des Bundesgerichtshofs in den 50er-Jahren, das sich mit den Umtrieben der studentischen „schlagenden Verbindungen“ auseinander zu setzen hatte. Das oberste Gericht bestätigte die Straflosigkeit vorsätzlicher Körperverletzung für den Fall, dass die Einwilligung des Verletzten vorliegt.
Zwangsläufig
stellt sich anschließend die Frage der Freiwilligkeit. Diese wird bei solch
medienwirksamen „Skandalen“ aufgrund des unterstellten Gruppenzwanges in Abrede
gestellt. Unterliegt der Student, dessen Wange genäht werden muss, diesem
nicht? Und was ist mit den Selbstfindungskursen für Manager? Ist gemeinsames,
aus dem Gruppenzwang geborenes Krabbeln mit verbundenen Augen auf dem
Waldboden, bei dem man sich an Tannennadeln piekst, nicht auch bereits
Körperverletzung? Und überhaupt ... ist es nicht Körperverletzung, wenn man
aufgrund des Gruppenzwanges, trotz Blasen seinen 30 km-Marsch abreißt?
Wahrscheinlich ist der gemeinsame Umtrunk nach solch einem Gruppenerlebnis auch
schon ein schlimmes Ritual, dessen sich die Staatsanwaltschaft annehmen sollte?
Mein Fazit: Wer Untergebene quält gehört bestraft. Aber das Verteufeln jedweden Aufnahme-Rituals vermiest den letzten Spaß und verhindert Corporate Identity.



Nachrichten vom 03.03.2008:
„Feldwebel der Lufwaffe in Fürstenfeldbruck verzehrten Blutwurst aus Eigenblut“
Wieder ein Aufschrei in der sensiblen, regulativen, kritischen Presse. Da müssen ja Zustände bei der Bundeswehr herrschen ... nicht mal "mein Opa" war in Stalingrad dazu gezwungen. Er hätte vor Angst und Entkräftung sowieso keinen Blutstropfen mehr von sich gegeben.
Also entweder haben wir es mit völlig durchgeknallten Ego-Kannibalen zu tun oder mit merkwürdigen Spaßvögeln, die Einlagen der letzten Durchschlagübung mit eigenen Ideen aufbereiten wollen. Es wird wohl wieder viel geistvolles Getränk notwendig gewesen sein, sich eine Blutwurst mit ½ Pfund Zwiebeln, 1 kg Schweinespeck und 5 ml Eigenblut zuzubereiten.
Sie wird kaum anders geschmeckt haben und ich hätte kein Problem es nachzumachen. Als Kinder haben wir Regenwürmer als Mutprobe gegessen. Aber man muss schon in diesem Entwicklungsstadium stecken geblieben sein, um den Unfug zu filmen und prahlerisch ins Internet zu stellen.
Meine Tipps an die Bundeswehr-Führung:
Offenbar werden aus Angst vor Verletzung der Menschenwürde solche Jungs, die wirklich mal an die Grenzen ihrer Belastbarkeit herangeführt werden wollen, nicht mehr ernstlich gefordert. Also mal wieder Mut zur Härte, auch wenn dieses Wort geschichtlich in Deutschland negativ belegt ist.
Und scheut Euch doch nicht, die Presse wirklich in jeden Winkel der Kaserne, des Übungsgeländes, des Stabs, des Putzeimers selbständig und unkontrolliert blicken zu lassen. Die Bürger in Uniform leisten saubere, auf dem Boden der Verfassung stehende Arbeit. Sie brauchen sich ihres Handelns nicht zu genieren und sollten auch keine Angst mehr vor einem presseartikel-auswertenden Iwan haben. Wenn sich die Medien am medial Verwertbaren der Bundeswehr satt gesehen, gehorcht, geforscht haben, brauchen sie nicht auf solche Meldungen aufspringen. Die Medien wollen es dann nicht mehr, denn sie würden sich durch die Recherchefreiheit als ernst genommen, integriert und als gern gesehener Gast angenommen fühlen. Welcher Gast läuft in der Nachbarschaft herum und zeigt geklaute Fotos des freundlichen Gastgebers bei einem ausgeuferten Saufgelage? Keiner...
Die
Meldung, die per se schon genug Karikatur genug ist, hat mich natürlich inspiriert!


Treffen sich zwei Jäger ...
Will meinen, Waidmänner schießen auf durchs Dickicht raschelnde (Gebirgs-)Jäger. Diese brummeln irgendwas von "verdammt...verdammt", was der Waidmann, ob seines Alters oder seiner Trunkenheit als Gegrunze eines Schwarzkittels interpretiert. Leider zieht einer der beiden Jäger den Kürzeren, nämlich der mit der Übungsmunition.
Schädel-Kult
2006 konnte man Fotos von Soldaten bewundern, die sich in Afghanistan mit Totenschädeln zur Schau stellten.
Das
ist uraltes Landsknechtgehabe. Geschmacklos wird`s, wenn man den
Schädel an den Schniedel hält. Da hört rüder Spaß auf und beginnt
sexuelle Entgleisung. Vielleicht sollte sich die Bundeswehr-Führung
Gedanken machen, wie die Burschen fern der Heimat ihren Sexualtrieb
ausleben könnten. Vorweg: den Mädels sollte im Sinne der Emanzipation
dieses Ausleben auch möglich sein (Burschen aufgemerkt !).
Folter-Vorwürfe
2004 tauchten Pressemeldungen auf, wonach es bei realitätsnahen Übungen in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Coesfeld zur Vorbereitung auf Auslandseinsätze zu folterähnlichen Einlagen gekommen sei.
Ich gehe davon aus, dass die Jungs Ihren Spaß dabei hatten und es wohl nicht so sadistisch ablief, wie es die Medienvetreter gerne gesehen hätten. Bei der Polizei geht`s manchmal bei Übungen auch ganz lustig her. Eine Schramme, eine ausgekugelte Schulter, ganz normal. Inzwischen schießen wir sogar mit Farbkügelchen auf einander. Ein Einsatz an der "Front" kann eine verdammt üble Sache sein. Ich habe mich mehr als ein Mal bei Festnahmen mit dem Täter auf dem Teer wälzen müssen. Da darf man keine Memme sein. Und als Soldat den Taliban in die Hände zu fallen, lässt sich mit keiner Übungsfolter annähernd simulieren. Die Übung mag da gerade noch reichen, sich Gedanken über eine unausdenkbare Situation zu machen.
Allerdings tauchen durchaus Fragen auf. Warum wurden die "Übungen" mit Wehrpflichtigen abgehalten, die gar nicht für den Einsatz in Afghanistan vorgesehen waren? Und war den Übungsleitern klar, wann die Grenze zur Menschenrechtsverletzung erreicht ist? Die strafrechtliche Aufarbeitung ist selbst 2010 noch nicht abgeschlossen.
Vorsicht mit Späßen auf Kosten anderer
Dass Esbit auf diese Weise einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt wurde, sollte diesen und auch allen zukünftigen Witz- und Trunken-Bolden zu denken geben. In einer Gruppe begangene Dummheiten fallen nicht mehr wie früher der Vergessenheit anheim. Medienvertreter und Staatsanwalt widmen sich heutzutage sehr intensiv unbedachten Schilderungen Gruppenangehöriger. Insbesondere mithilfe der in Handys verbauten Camcorder wird mancher Blödsinn aufgezeichnet und zur Gipfelung des Schwachsinns ins Internet gestellt. Eine ideale Fundquelle für jede Art von Ermittler.

Zickenalarm
Zuletzt was richtig Plumpes. Erst werden die Männer über dieses Cartoon lachen, denn es gibt wirklich zickige Tussis. Aber eigentlich dürfen auch Frauen lachen, denn es gibt Mannsbilder, die sich noch immer nicht damit abgefunden haben, dass es Frauen in Uniform gibt. Frauen sind halt anders ... klar, die können weder beim Kampf noch beim Mampf mithalten. Aber sie bringen eine andere, menschlichere, ich würde fast sagen "menschenrechtlichere" Stimmung in den Laden. Sie hauen nicht mit dem Schwert auf das Schild und grölen dabei wie ein Ochse. Aber wenn man sich ihre "schulischen" Leistungen anschaut und auf die kommt es in einer technologisierten, entgermanisierten Armee ja wohl an, sollte Mann zu jeder Frau freundlich sein. Sie könnte morgen schon der Vorgesetzte sein. Leistungs-willige und -fähige Frauen setzen das Motto "Bürger in Uniform" eigentlich erst konsequent um. Sie sollten aber zur Stärkung ihrer bundeswehr-gesellschaftlichen Akzeptanz auch darauf achten, dass faule Zicken nicht die Karte " armes, unterdrücktes Wesen" ausspielen, sondern sich gefälligst am Riemen reißen.
nach oben






